Gesundheit

Stadtteil­erkundungen auf den Spuren von Gesund­heit 

Gemeinsam mit dem Kollektiv „orangotango" und dem Projekt­team von „Gesund­heit in der nach­haltigen Stadt“ sind an zwei Nach­mittagen im Hansa­viertel und in Berg Fidel die Bewohner*innen tief in die Gesund­heit ihrer Stadtviertel eingetaucht. Sie spürten bei diesen Stadtteil­spaziergängen gesund- und krankmachenden Orten im jeweiligen Viertel nach. 

Während der partizipativen Stadtteil­rundgänge, die ein Baustein des Projektes von "Gesundheit in der nachhaltigen Stadt" sind, kamen unter­schiedlichste Heraus­forderungen und Fragen ans Licht. 

Programm­koor­dination am Institut für Geographie der WWU
Lisa Kamphaus
0251 83-30117

Gesundheit findet vor der Haus­tür statt

Die eigene Gesundheit wird nicht nur durch das eigene Handeln beeinflusst, sondern auch durch die Strukturen um einen herum, sprich in den Stadt­vierteln und der gesamten Stadt. Dies kam bei den beiden Stadtteil­spaziergängen im Hansa­viertel und in Berg Fidel deutlich zum Vorschein. 

Die Teilnehmenden spürten auf den Spazier­gängen unter anderen diesen Fragen nach: 

  • Wie geht es dir in deiner Wohnung?
  • Wie viel Grün hast du um dich herum?
  • Wie viel Sportmöglichkeiten hast du in der Nähe?
  • Wirst du in deinem Viertel wahrgenommen?
  • Wohin wendest du dich, wenn du Probleme in deinem Viertel hast?
  • Wie gesund oder krank fühlst du dich gerade?
  • Was sind die Ursachen hiervon?
  • Kannst du an deiner Situation, an deiner Gesund­heit im Viertel alleine etwas ändern?

Auch wenn ganz unterschiedliche Menschen in den Rund­gängen zusammen­kamen und entsprechend vielfältige Antworten auf die Fragen hatten, wurden nicht nur die Symptome der eigenen Gesund­heit gesehen. Vielmehr standen die Ursachen von Gesund­heit bzw. Krankheit im Fokus und die Erkenntnis, diese nicht nur bei sich selbst, sondern auch in den gesell­schaftlichen und städtischen Strukturen, also im eigenen Viertel und der eigenen Stadt, zu erkennen. 

Den eigenen Stadtteil aus anderen Perspektiven wahr­nehmen 

Das breite, künstlerisch-kreative Methoden­repertoire des Kollektivs „orangotango – Kollektiv für populäre Bildung und kreativen Protest“ ließ die Teil­nehmenden ihren Stadtteil aus anderen Perspektiven wahr­nehmen und spielerisch erkunden. Mit einem „Body Mapping“ brachten die Teilnehmenden Ruhe in den Stadt­teil und entdeckten unerkannte Oasen, Gerüche und Geräusche bei einer „Führung mit geschlossenen Augen“. Darüber hinaus schauten sie sich die Regeln und Strukturen, unter denen Orte im Stadt­teil funktionieren, durch die Augen von Theater­zuschauenden an und erklärten Menschen vom Mars, warum bestimmte Dinge im Stadtteil so sind wie sie sind und wieso sie krank machen. Gemeinsam wurden am Ende Wünsche und Utopien für ein gesundes Hansa­viertel und ein gesundes Berg Fidel mit Kreide auf die Straße gebracht. 

Während der Spaziergänge kamen so ganz unter­schiedliche Aspekte, Fragen und Heraus­forderungen für die Menschen in den Stadt­teilen auf. Diese reichten von der schimmeligen Wohnung, über verschmutzte und ungepflegte Grün­flächen und deren ungleicher Umsorgung durch die Stadt, bis hin zu fehlenden Aktivitäten oder Teilhabe­möglichkeiten an Aktivitäten im Stadtteil. Auch die bisherige, fehlende Partizipation an einer demokratischen Gestaltung von Gesund­heit im Stadtteil wurde als Heraus­forderung benannt. 

Durch die Rundgänge wurden erste Wege beschritten, Gesund­heit für alle in der Stadt zu gestalten und das nicht nur gemessen an Sport­möglichkeiten oder Ernährungs­gewohnheiten. Letztlich müssen für eine gesunde Stadt die strukturellen Verhältnisse, wie die Wohn­situation vieler Mieter*innen, die Teil­habe an der Gestaltung des eigenen Stadt­teils und an den Aktivitäten im Stadtteil, ein stärkeres Zusammen­gehörigkeits­gefühl oder eine intensivere Vernetzung der Nachbar­schaft angepackt werden. 

Wie geht es weiter?

Die in den Spazier­gängen gesammelten strukturellen Probleme und Heraus­forderungen für die Gesund­heit der Bewohner*innen in den Stad­teilen und der Gesamtstadt fließen auch in die partizipative Entwicklung eines Handlungs­programms für gesund­heitliche Chancen­gleichheit in Münster ein. Auf Grund­lage dieser Erkenntnisse werden Bedarfe, Heraus­forderungen und auch entsprechende Maßnahmen­vorschläge für eine Gesunde Stadt für alle entwickelt.

Interessierte Personen an weiteren Spazier­gängen sind herzlich eingeladen, am 20.10.2022, im Rahmen des Nachhaltigkeits­tages der WWU (Campus Earth Day), beim Stadtteil­spaziergang Innen­stadt teil­zunehmen.

Bei Interesse an den Stadtteilspaziergängen, bei allgemeinen Fragen oder Anmerkungen zu dem Projekt wenden Sie sich gerne telefonisch oder per Mail an Lisa Kamphaus:

Programmkoordination "Gesundheit in der nachhaltigen Stadt" Münster
WWU Münster - Institut für Geographie 
AG Kritische Stadt- und Gesundheitsgeographie 
Lisa Kamphaus MSc
Tel. +49 251 83-30117
E-Mail lisa.kamphaus@uni-muenster.de