Stadt in der sozialen Balance

Münster gilt als wohlhabende Stadt. Dennoch gibt es Menschen, die von Armut und schlechten Startchancen betroffen sind, nicht selten mit Migrationsvorgeschichte.

In Münster wird jedoch großer Wert auf sozialen Zusammenhalt gelegt, wie das umfangreiche gesellschaftliche Engagement zeigt, zum Beispiel in vielen Initiativen von Gutes Morgen Münster. In Gesprächen mit Schlüsselpersonen ist klargeworden, dass die Gefahr sozialer Polarisierung deutlich wahrgenommen wird. Auch angesichts der Tatsache, dass selbst diejenigen, die normal entlohnte Arbeit haben und selbst für sich sorgen könnten, gefährdet sind.

Stadt in der sozialen Balance 
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Gesundheit für alle | Aasee, copyright Ralf Emmerich

Gesundheit für alle | Aasee, copyright Ralf Emmerich

Hintergrund

Obwohl coronabedingt noch kein Stadtforum zur Sozialen Balance durchgeführt werden konnten, werden wichtige Maßnahmen zur Stärkung des sozialen Zusammenhalts vorangetrieben.

Integrierte Stadtteilentwicklungskonzepte – Sozialer Zusammenhalt
So unterstützen die MünsterZukünfte die Umsetzung des Integrierten Handlungskonzeptes Sozialer Zusammenhalt in Coerde und den entsprechenden Erarbeitungsprozess in Berg Fidel. Ziel ist es, Stadtteile mit besonderem Entwicklungsbedarf in städtebaulicher, sozialer und wirtschaftlicher Hinsicht zu stabilisieren und aufzuwerten. Hierzu werden die Akteure und Akteurinnen vor Ort zusammengebracht, wie in dem umfangreichen Beteiligungsprozess in Coerde und ein gemeinsam getragener Maßnahmenplan erstellt. Dies verbessert die Chancen auf Teilhabe und Integration, soll lebendige Nachbarschaften, Gemeinschaft, Identifikation und den sozialen Zusammenhalt fördern. Bei den Beteiligungsprozessen und der Koordination der Umsetzung der Maßnahmen spielen die Stadtteilkümmerinnen eine wichtige Rolle.

Umsetzung

Gesundheit in der nachhaltigen Stadt
2021 geht ein gemeinsames Projekt von Stadt und Universität an den Start, das von der Techniker Krankenkasse gefördert wird und auf fünf Jahre angelegt ist. Sein Ziel ist eine gesunde und resiliente Stadt, in der das kommunale Handeln auf gesundheitliche Chancengleichheit und eine gute Gesundheitsvorsorge orientiert.

Das fügt sich prima ein in die Intentionen des Zukunftsprozesses. Damit bekommen so disparate Aspekte wie beispielsweise die Gestaltung von Grünflächen, gute und sichere Wohn- und Arbeitsverhältnisse, ein Leben ohne Diskriminierung oder die Ermöglichung von Sozialkontakten plötzlich auch eine gesundheitsfördernde Relevanz. Das Ergebnis des Projektes Gesundheit in der nachhaltigen Stadt wird eine städtische Strategie zur gesunden Stadtplanung und -entwicklung sein – entwickelt in intensivem Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.

Ideen für Berg Fidel
Gestartet ist das Integrierte Stadtteilentwicklungskonzept (InSEK) für Berg Fidel. Das ist auch dringend nötig, denn der Stadtteil unweit des Preußenstadions, der in den 1960er/70er Jahren aus einem Guss geplant wurde, braucht – ähnlich wie Coerde und die „Kinderhauser Schleife“ – neue Impulse. Die großen Wohnblöcke werden von vielen Menschen aus unterschiedlichen Nationen und oft mit geringerem Einkommen bewohnt. Manches – wie das Stadtteilzentrum – funktioniert unter heutigen Bedingungen nicht mehr wie einmal geplant, die Infrastrukturen brauchen ein Update.

Als eine der ersten Neuerungen wird ein Bahnhaltepunkt am Stadion Berg Fidel geplant, der Berg Fidel näher an die Innenstadt und Hiltrup-Zentrum bringen würde. Neu entstanden ist schon der Dirt-Park als Freiraum zum Austoben auf zwei Rädern, nicht nur für junge Menschen.

Es braucht weitere neue Ideen, die das Stadtplanungsamt mit den Menschen vor Ort zu einem Integrierten Handlungskonzept entwickeln wird. Und eine besondere Rolle werden in diesem jungen Stadtteil die Einfälle und Einschätzungen von Kindern und Jugendlichen spielen, die sich in einem neuen Projekt mittels der App #stadtsache einbringen.