27.03.2026 - Das ehemalige Offizierskasino. Früher wurden hier rauschende Partys gefeiert, jetzt steht es unter Denkmalschutz und harrt der Dinge, die da in Zukunft kommen mögen. Wir haben mit Werner Dzudzek gesprochen. Er hat nicht nur Ideen, wie es in Zukunft weitergehen könnte, sondern kümmert sich mit vielen weiteren Mitstreiter*innen auch um die Umsetzung all der Wünsche für und an dieses Haus – und lädt alle Interessierten dazu ein, sich an der Arbeit zu beteiligen.
Ein Interview mit Werner Dzudzek, 1. Vorsitzender des Vereins York:Kasino Erinnern-Begegnen-Gestalten e.V.
Frage: Herr Dzudzek, sie sind der 1. Vorsitzende des Vereins York:Kasino – Erinnern – Begegnen – Gestalten e.V. in Gremmendorf. Was ist das denn, das York:Kasino?
Werner Dzudzek, 1. Vorsitzender des Vereins York:Kasino Erinnern-Begegnen-Gestalten e.V.l. Foto: W. Dzudzek privat
Dzudzek: Das York:Kasino ist ein absoluter Glücksfall. Das ehemalige Offizierskasino auf dem Gelände der York-Kaserne ist ein historisches Gebäude von enormer Größe und mit einer beeindruckenden Architektur und dieses Gebäude soll jetzt im Rahmen der Neugestaltung des gesamten Areals zu einem Ort für alle Menschen hier im Stadtteil und darüber hinaus werden. Das ist ein ganz besonderes Projekt. Es vereint Geschichte und Repräsentation mit den Anforderungen, die ein neuer, schnell wachsender Stadtteil an Orte für Begegnung und Austausch hat. Das York:Kasino soll ein Ort werden, den Menschen gerne aufsuchen, an dem sie sich wohl fühlen. An dem sie voneinander Neues lernen, Kultur erfahren, die Geschichte bewahren und die Zukunft aktiv gestalten – das alles wollen wir unter einem Dach zusammenführen.
York:Kasino Innenansichten | im Uhrzeigersinn: Kaminzimmer, großer Saal, ehemalige Essensausgabe, Sternzeichenzimmer.
Foto: Stadt Münster | Henning Spenthoff
Frage: Wenn Sie davon sprechen, dass Sie das zusammenführen wollen: Was genau heißt das? Welche Rolle spielt der Verein York:Kasino – Erinnern – Begegnen – Gestalten e.V. in diesem Prozess?
Dzudzek: Eine zentrale Rolle, denn er soll überhaupt erst die Strukturen schaffen, damit später alle, die Lust haben, sich an der Arbeit im Kasino beteiligen können. Dass es unseren Verein gibt, ist eine Folge eines langen Prozesses der letzten Jahre. Denn der Gedanke, dass das Kasino zu einem Ort für alle Menschen hier werden könnte, den gibt es schon länger, aber erst der erfolgreiche Antrag der Stadt Münster auf Aufnahme in das Bundesförderprogramm „Nationale Projekte des Städtebaus“ im Jahr 2024 hat es ermöglicht, dass wir jetzt tätig werden können. Denn das Ganze ist natürlich ziemlich teuer. Aber mit der Förderung stehen jetzt nicht nur ausreichende Fördergelder für den Umbau zur Verfügung, sondern es gibt jetzt auch neue und verbindliche Auflagen zur späteren Art der Nutzung. Das neue Konzept sieht nämlich vor, dass das Haus allen Menschen offenstehen und als lebendiger Demokratieort im Stadtteil und darüber hinaus wirken kann.
York:Kasino Außenansichten | im Uhrzeigersinn: Frontansicht, Gartenansicht, Terrasse, Gartenteich Foto: Stadt Münster | Henning Spenthoff
Frage: Und wie kommen Sie dann ins Bild?
Dzudzek: Vor gut einem Jahr haben sich ein paar aktive Bürgerinnen und Bürger aus Gremmendorf zusammengefunden und haben gemeinsam mit städtischen Angestellten aus dem Kulturamt, dem Amt für Immobilienmanagement und Münster Marketing ein Konzept erarbeitet, wie dieses Haus später einmal in diesem Sinne genutzt werden kann. Das hieraus entstandene Konzept liegt jetzt der Stadt vor; aus der Aktivengruppe ist mittlerweile ein eingetragener Verein geworden. Der Rat der Stadt Münster hat dann in seiner Sitzung am 25. März beschlossen, das wir als Verein Mieter des Hauses werden und das Konzept in die Tat umsetzen können – und dass der Umbau des Kasinos wie geplant umgesetzt werden und das Haus dann voraussichtlich Ende 2028 in alter neuer Pracht wiedereröffnet werden kann. Aber bis zur Fertigstellung sitzen wir natürlich nicht untätig herum. Denn Gremmendorf wächst und entwickelt sich rasant und da brauchen wir im Stadtteil auch neue und attraktive Formate und Angebote – unabhängig vom Kasino als Ort.
York:Kasino Gewölbekeller Foto: Stadt Münster | Henning Spenthoff
Frage: Das heißt, der Verein arbeitet jetzt bereits an neuen Formaten? Wie sehen die aus? Und kann man da vielleicht schon mitmachen?
Dzudzek: Ja sicher. Ein Beispiel für ein neues Format: Wir haben am 9. November des letzten Jahres mit einer Lesung die erste Veranstaltung im Kaminzimmer des Kasinos begonnen. Rund 60 Menschen haben da das besondere Flair des Kasinos spüren dürfen und waren Zeugen des Auftakts zu einer losen Lesungsreihe zu Geschichte und Erinnerungskultur, die wir planen. Die Lesung war spannend und die Stimmung wurde durch das Kaminfeuer auf eine angenehme Atmosphäre gehoben, obwohl der Inhalt des vorgestellten Buches und das historische Datum der Lesung sehr zum Nachdenken anregten. Aber genau das war ein gewünschter Effekt: Dieses Haus atmet Geschichte und ruft Erinnerungen an frühere Zeiten hervor, die von unseren Eltern und Großeltern erlebt wurden. Und das sind nicht nur angenehme Erinnerungen, sondern können auch als Mahnungen an unsere heutige Zeit aufgefasst werden.
Nun wird das Gebäude aber saniert und wir wollen die Zeit bis zur Wiedereröffnung nutzen, um kreativ zu werden: Unter dem Stichwort "York:to go" planen wir in den nächsten Monaten und Jahren einfach an andere Orte auf dem York-Gelände und im sonstigen Stadtteil zu gehen – da gibt es auch so einige spannende! Wir haben schon eine ganze Menge Ideen und viele Kontakte zu anderen aktiven Menschen hier vor Ort, die auch nochmal ganz viel Kreativität und Lust am Gestalten mitbringen. Das ist eine super Stimmung.
Frage: Das heißt, man kann sich jetzt schon einbringen?
Dzudzek: Unbedingt! Wir hoffen auf ganz viele Begegnungen und freuen uns auf viele Menschen, die Lust haben, sich einzubringen – sei es in der Planung, vor Ort bei den Veranstaltungen oder in der Umsetzung des Konzepts. Wir laden alle Interessierten ausdrücklich ein, sich bei der Arbeit für das York:Kasino einzubringen und so unseren Stadtteil aktiv zu gestalten
Frage: Um was für Veranstaltungen geht es denn da? Müssen das Kulturveranstaltungen im klassischen Sinne sein?
Dzudzek: Nein, nicht nur. Wir verstehen uns und das später sanierte Kasino als ein offenes Haus und als einen ebenso offenen Verein, dessen Inhalt und Programm von den Vereinsmitgliedern gestaltet wird. Wenn also jemand sagt, ich kann einen Yogakurs für Kinder anbieten, dann geht das genauso unter dem Dach des Vereins wie eine Bürgerkneipe, eine Lesung, eine Tanzveranstaltung oder einfach nur ein Nachmittagskaffee. Das Spektrum wollen wir bewusst ganz weit offen halten, vom kleinen Rock-Pop - oder Hip-Hop-Konzert bis zu klassischen Musikbeiträgen, von Kunstausstellungen bis Nähkursen. Es soll für alle Altersgruppen und AnwohnerInnen etwas dabei sein.
Es sollen und werden Angebote sein, die die Menschen des Stadtteils brauchen und die von ihnen selbst initiiert und organisiert werden. Ganz wie der Nachsatz des Vereinsnamen verdeutlicht: Erinnern – Begegnen – Gestalten. Aber auch, wer einfach nur im Garten ein Buch lesen will, ist herzlich willkommen. Dafür muss man auch kein Vereinsmitglied sein. Die Tür ist offen. Damit diese Angebote jedoch entstehen und funktionieren, brauchen wir Menschen, die sich einbringen. Und die können sich ganz einfach bei uns melden und dazu kommen. Wir werden nach dem AG-Prinzip thematische Arbeitsgruppen bilden und diese werden dann für sich die Formate erarbeiten und umsetzen. Das Haus und der Verein bilden lediglich den Rahmen. Auf diese Weise möchten wir in unserem wachsenden Stadtteil Nachbarn zusammenbringen und einen Ort schaffen, der allen offen steht.
Frage: Wie fange ich denn am besten an, wenn ich mitmachen will?
Dzudzek: Wir sind gerade dabei, eine Homepage zu entwerfen, über die man uns kontaktieren und auch die Aufnahme als Vereinsmitglied beantragen kann. Am einfachsten ist aber natürlich die direkte Begegnung: Und dafür planen wir gerade ein Nachbarschaftsfest, bei dem wir uns und unsere bisherige Arbeit sowie unser Konzept für die Nutzung des Hauses vorstellen. Außerdem soll es ein buntes Programm geben, das einen Einblick geben soll in die vielfältigen Möglichkeiten, die dieses Haus bietet. Wir laden alle Interessierten ein, an diesem Tag dazuzukommen und mit uns in Kontakt zu treten. Wir freuen uns sehr auf die Begegnungen und auf all die weiteren Ideen, unser Gremmendorf aktiv zu gestalten.
Das Nachbarschaftsfest soll am 4. Juli stattfinden. Nur leider können wir dann nicht in das Kasino, weil das dann schon umgebaut wird. Sobald wir aber wissen, wo es stattfinden wird, werden das natürlich öffentlich machen. Bis dahin erreicht man uns über diese Kontaktdaten:
York:Kasino Erinnern-Begegnen-Gestalten e.V.
E-Mail: hallo@york-kasino.de




