29.05.2026 - Wohin in der Wohnungskrise? Ein genossenschaftliches Projekt in Münster weist die Richtung und ist inzwischen vielfach prämiert für kluge Ideen und konsequente Umsetzung. Im Oxford-Quartier bekommt es Gesellschaft von weiteren gemeinschaftlichen Wohnprojekten.
Das Projekt „Grüner Weiler“ auf dem Areal der ehemaligen Oxford-Kaserne in Gievenbeck erlangt gerade mehr und mehr überregionale Aufmerksamkeit als zeitgemäßer Prototyp für bezahlbares und gemeinschaftsorientiertes Wohnen und eine klimagerechte und nachhaltige Architektur. Ende letzten Jahres wurde es mit dem Westfälischen Preis für Baukultur 2025 ausgezeichnet, jüngst folgte die „Auszeichnung vorbildlicher Bauten in Nordrhein-Westfalen“, und nun die Prämierung des renommierten Polis Award 2026, der Anfang Mai im Zuge einer großen Städtebau-Fachmesse vergeben wurde. Dahinter stecken: die Bewohner*innen selbst, die das komplexe Vorhaben mit über 100 Wohnungen partizipativ und zielorientiert entwickelt haben und als Genossenschaft auch finanziell tragen.
© Grüner Weiler eG / office03 Architektur, Köln
Im Rahmen von Münsters lebendiger Szene von Baugemeinschaften, die sich im Bündnis Urbane Wohnformen organisiert hat, hatten sie sich frühzeitig zusammengefunden und über viele Jahre einen kühlen Kopf und langen Atem bewahrt, und natürlich gab es viel Bewegung in dieser Zeit: Im Oktober 2016 mit 77 Mitgliedern gestartet, leben heute hier ca. 260 Menschen in über 100 (etwa zur Hälfte öffentlich geförderten) Wohnungen. Das war schon die Zielmarke, als die Gruppe im Rahmen unserer Zukunftsinitiative „Gutes Morgen Münster“ Aufmerksamkeit erregte. Im Zentrum stand immer der Gemeinschaftsgedanke, der romantische Titel „Grüner Weiler“ steht für die Idee vom „Dorf in der Stadt“, allerdings mit zahlreichen klug entwickelten Ausstattungsmerkmalen und Raumangeboten, von denen viele ländliche Ortschaften heute träumen mögen. Das Projekt nennen sie denn jetzt auch etwas zeitgemäßer W1OXF, für Weiler 1 Oxford – alle Beteiligten haben Lust auf mehr, und das Erfolgs-Modell soll tatsächlich als Prototyp für Weiteres dienen.
Die Genoss*innen des Grünen Weilers, die das Projekt gemeinsam entwickelt haben, verbindet der Glaube an zukunftsfähige Werte:
Sie haben daher bewusst auf etwas Wohnungsfläche verzichtet zugunsten klug durchdachter Gemeinschaftsangebote, davon gibt es so einige: das Kulinarium – eine Kantine, für die eigens ein Koch eingestellt wurde, ein Jugendraum, eine Holz- und Fahrradwerkstatt, ein Coworking Space und ein "Textilatelier" sind unter Dach und Fach, nicht zu vergessen der große geschützte Innenhof mit zahlreichen Sitz- und Spielmöglichkeiten sowie die offenen Laubengänge und Treppenhäuser. Im Übrigen gehören weitere gute Lösungen für die alltägliche Mobilität zur Ausstattung, mehr dazu siehe unten. Ihre Idee von Gemeinschaft möchten die Bewohner*innen nicht nur für sich leben, sie haben einen Verein gegründet, um Kultur und Vernetzung im Stadtteil zu fördern, und dieser betreibt auch ein öffentlich zugängliches Café.
Podcast Neues genossenschaftliches Wohnen in Münster des medienforum Münster e.V. mit Beteiligten im Gespräch vom 24.02.2026
In Münsters Lokalradio, in der relativ neuen Bürgerfunk-Sendereihe "Wohnprojekte in Münster" , berichteten Nicole de Vries, Gabi Escher, Johannes Rose und Andreas Schlattmann im Februar 2026 von ihren frischen Wohnerfahrungen etwa 1 Jahr nach Bezug des Projektes (NRWision / medienforum e.V.)
© Good Mobility Council, Berlin
Im Übrigen gab es noch das Certified Good Mobility-Label in der Kategorie „Wohnen“, erstmals vergeben in der Stufe Platin. Das unabhängige „Good Mobility Council“ bestätigt dem Projekt damit höchste Standards in Sachen Mobilitätswende, unter Anderem bezüglich Barrierefreiheit, Car-Sharing und Fahrrad-Nutzung sowie Mobilitätsmanagement. Dazu gehören über ein Dutzend Leih-Lastenräder in einem Sharing-System, ein Fahrradwaschplatz, eine gemeinsam genutzte Werkstatt und zahlreiche komfortable Fahrradstellplätze in der Velo-Halle. Ein Car-Sharing- Standort im Haus trägt dazu bei, dass nur wenige der Haushalte noch ein eigenes Auto halten.
Lust bekommen mitzumachen? Inzwischen haben die Überlegungen für den Weiler 2 begonnen ...
Der Grüne Weiler hat den Reigen eröffnet und eine starke Marke gesetzt. Inzwischen erweist sich das Oxford-Quartier immer mehr als dynamisches Umfeld für gemeinschaftlich orientierte Wohnprojekte mit unterschiedlichen Ansätzen und Zielgruppen – und unterschiedlichen Graden der Gemeinschaft. So erhielt auch das Projekt der Baugruppe KliQ (Kollaborativ leben im Quartier) eine Anerkennung im Rahmen des Westfälischen Preises für Baukultur, unter anderem, weil es gelang, "die Wohnfläche pro Kopf im Vergleich zum Bundesdurchschnitt fast zu halbieren“, wie die Jury anmerkte. Das Projekt setzt auf ein Wohneigentumsmodell inklusive Gemeinschaftsflächen im KfW-40-plus-Standard in einer Holz-Hybrid-Ausführung. Auch die B³OX im südöstlichen Baufeld B setzt als Baugemeinschaft auf individuelles Wohneigentum – in einem Mix verschiedener Wohnungsgrößen für jedes Alter.
Im Westen des Quartiers entwickelt ein Investoren-Team nun unter Einbindung von Bestandsgebäuden die Oxford-Höfe mit Teilbereichen für ganz unterschiedliche Zielgruppen wie Senior*innen, Studierende und auch Familien mit Kindern. Zentral am Rand des alten Exerzierplatzes entsteht entlang der alten Baumreihen als Mehrgenerationenhaus für Mieter*innen das Projekt Platania. Nebenan, im größten Gebäude des Geländes, dem sogenannten H-Gebäude hinter der alten Sporthalle, entwickelt das gleiche Investoren-Team inzwischen das OXCamp als Angebot insbesondere für Auszubildende, die es in Münsters Wohnungsmarkt schwer haben.
Im Norden wird jetzt entlang der alten Kasernenmauer das Projekt OXWall mit attraktiven Klinkerfassaden und kommunikativen Laubengängen entwickelt. Und das ist noch nicht Alles. Wir sind gespannt und werden weiter berichten ...



